Denn wo zwei oder drei versammelt sind in meinem Namen, da bin ich mitten unter ihnen. (Mt 18, 20)

Geben und Nehmen – Erntedank

Spätestens in der Erntezeit müssen wir über Geben und Nehmen nachdenken. Alles was  wir zum Leben gebrauchen, bekommen wir von Gott geschenkt, das ist der Segen des Herrn.  Zieht er seine Hand von uns, müssen wir vergehen. In Gottes Schöpfung können wir die Ernte empfangen, aber immer letztlich als ein Geschenk.

Ich hörte eine kleine Geschichte:

Es war ein Herzog, dem wurde von einem armen Mann, einem treuen Untergebenen, ein großer wohlgefälliger, farbenfroher Kürbis, als Geschenk gebracht. Er war wirklich ein armer Mann, der seinen Kürbis selbst dringend nötig hatte. Aber er hatte aus treuer Untertänigkeit diesen Kürbis, der in seinem Garten hinter dem Gartenzaun gewachsen war, dem Herzog geschenkt. Der Herzog war so sehr erfreut über die Treue und Liebe des Mannes, dass er ihm eine bedeutende Geldsumme schenkte.

Der pfiffige Verwalter des Herzogs nahm das wahr und dachte bei sich: „Das lohnt sich, das rechnet sich. Dieser Mann hat für seinen großen Kürbis fünfhundert Euro bekommen. Ich denke, ich mache dem Herzog auch ein Geschenk.“ Er kaufte ein rassiges Pferd, schenkte dieses dem Herzog und erwartete zehnmal soviel zu bekommen, als es ihn gekostet hatte. Der Herzog, der ein weiser Mann war, nahm das Pferd ruhig an. Er schenkte dem habsüchtigen Verwalter nichts. Das war alles.

Was sagt uns diese Geschichte heute?  Hier wurde ein christlicher Mann belohnt. Aus Treue zu Gott, hat er seine Liebe zu seinem Herrn bewiesen, und mit seinem Geschenk zum Reiche Gottes beigetragen. Er wird ihm gelohnt werden.

Das Ding rechnet sich und macht sich bezahlt, so denken viele von uns Menschen, wie der Verwalter. Aber der Verwalter schenkte das Pferd dem Herzog nicht aus Treue und Liebe, sondern nur aus Liebe zu sich selbst. Er bekam auch keinen Lohn dafür.

Wenn wir die Werke der Barmherzigkeit nur aus dem Grunde verrichten, um dadurch in den Himmel zu kommen, so speisen und kleiden wir uns nur selbst. Unsere Tugend ist keine Tugend, sondern bare Selbstsucht. Sie riecht stark nach Eigennutz. Jesus wird sie nicht annehmen, und wir werden seinen Dank nicht bekommen. Wir haben uns nur selbst gedient, und es wird keine Belohnung folgen. Zuerst müssen wir uns zu unserem Herrn bekennen und an ihn glauben, so dass sich die Selbstsucht nicht einmischt, dann werden wir himmlischen Lohn erhalten.

Lasst uns in unserer Nachfolge mit den von Gott gegebenen Perlen glänzen: Mit dem Besuchen der Kranken, Trösten der Armen, Beistand der Notleidenden und Hilfe der Schwachen.

Schon ein kleiner Gruß kann manchmal eine große Ermutigung sein.

Sieghard Pietschner