Freie evangelische Gemeinde Münster
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Hier finden Sie als Auzug aus dem Gemeindebrief die Rubrik "Angedacht", das kann eine gekürzte Predigt oder Gedanken von verschiedenen Personen unserer Gemeinde sein.

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Angedacht.
.Oktober 2013
Saat und Ernte
Jetzt im Herbst, wenn die Vorbereitungen auf die Weihnachtszeit allerorten schon anlaufen, feiern Christen traditionell das Erntedankfest. Auch wir in der Freien evangelischen Gemeinde Münster haben einen Erntedankgottesdienst. Nun ist der Sinn dieses Fest jedem leicht erklärbar, und trotzdem spielte es für mich bisher zugegebenermaßen keine große Rolle. Als Grund dafür kommt so einiges in Betracht:

Als Städter kommt man mit der Ernte ja nicht allzu sehr in Berührung. Allenfalls muss man sich bei Fahrten über Land auf mehr landwirtschaftlichen Verkehr einstellen, was die übrigen Verkehrsteilnehmer auf manche Geduldsprobe stellt. Unser Wohlstand hängt mehr von den Absatzzahlen der Autoindustrie ab als von der Größe der Kartoffeln. Die auffälligste Besonderheit des Erntedank- Gottesdienstes ist Dekoration mit Obst und Gemüse; aber in manchen Supermärkten sieht es doch das ganze Jahr über so ähnlich aus. Dass es ohne Ernte kein Brot, keine Brötchen, keine Cornflakes und indirekt auch kein Steak gibt, ist mir verstandesmäßig schon klar. Aber glücklicherweise habe ich noch nie Not an Nahrungsmitteln gelitten und kann mir etwas anderes gar nicht vorstellen.

Wohl hört man in manchen Jahren von Ernteausfällen durch Trockenheit und Hagel. Richtige Engpässe bei Grundnahrungsmitteln sind mir aber nicht in Erinnerung, und der Preis für Mehl bleibt doch sehr stabil. (Das ist weltweit gesehen nicht normal und schon ein Grund zur Dankbarkeit.) Wie kann nun ein Mensch, der meist am Computer arbeitet, den „Erntedank“ etwas besser empfinden?

Eigentlich reicht schon ein Blick auf das Grün vor der Haustür. Ich finde es faszinierend zu sehen, wie vieles Gott „von alleine“ (durch ganz komplexe biochemische Prozesse) wachsen lässt, wenn wir es einfach wachsen lassen. Ich denke z. B. an wilde Brombeeren an einem Bahndamm, die ohne Pflege groß und süß werden. (Der Computer macht eigentlich nichts Produktives von alleine, wenn man von Sicherheitsupdates und dem Heizen des Raumes einmal absieht.)

Auch im eigenen kleinen Garten kann man die Freude erleben, wenn gedeiht, was man gepflanzt hat. Es ist ein schönes Gefühl, wenn eine Staude immer größer wird, so dass man sie teilen kann und sie sich so vervielfacht. Das ist die Freude an Erntedank: Gott schenkt das Wachstum und wir dürfen ernten.

Man kann den Sinn des Erntedankfestes natürlich auf viele andere Dinge im Leben übertragen. Bestimmt kann jeder für viele Gaben Gottes in diesem Jahr dankbar sein: Für gelungene Arbeit, erfolgreiches Lernen, erhörte Gebete. Doch mir fiel in diesem Zusammenhang eine Zeitungsmeldung ein:

Im Juli äußerte unser Verteidigungsminister, als er wegen der Drohnenaffäre scharf attackiert und ihm der Rücktritt nahegelegt wurde: „Ich habe so viel gesät, jetzt möchte ich mal ernten.“ Wer sich als Minister jahrelang für viele Dinge einsetzt, erhofft den Ertrag davon zu sehen. Wir alle stecken Zeit und Energie in unsere Ausbildung, in die Erziehung unserer Kinder, in das Geschäft, in den Aufbau der Gemeinde, in andere Menschen, um die wir uns kümmern. Dieses „Säen“ ist notwendige Voraussetzung dafür, um einmal etwas ernten zu können; aber es gibt keine Garantie, dass die Dinge sich so entwickeln, wie wir planten, und die „Ernte“ gut ausfällt.

Manchmal kommt diese Ernte auch sehr spät oder gar nicht. Deswegen schreibt der Prediger im Buch Kohelet (Kap. 3, 13): „Aber auch, dass jeder Mensch isst und trinkt und Gutes sieht bei all seinem Mühen, das ist eine Gabe Gottes.“ Und der Prophet Micha kündigt als Gottes Gericht an, dass die Israeliten säen, aber nicht ernten werden (Mi. 6, 15). Es ist ein Geschenk Gottes, wenn das gelingt, worum wir uns in unserem Leben bemühen, und wir schon in diesem Leben die Früchte unserer Mühen ernten können. Und wenn nicht, dann wissen wir, dass wir einmal bei Gott gerechten Lohn für unser Tun bekommen werden (2. Kor. 5, 10).


Mit herzlichem Gruß
Volkmar Schmidt
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