Die diesjährige Allianz-
Gebetswoche ist schon ein
bisschen vorbei. Wie sie in
Münster gelaufen ist, entzieht
sich meiner genauen Kenntnis - umso freundlicher
kann ich darüber schreiben.
Ich schätze, dass sich in den
letzten Jahren oder vielleicht
auch Jahrzehnten nicht viel
am Ablauf geändert hat.
Sie beginnt mit einem Kanzeltausch
am Sonntag der
zweiten Januarwoche. Und
dann trifft man sich die ganze
Woche lang jeden Abend in
einer anderen zur Allianz
gehörenden Gemeinde zu gottesdienstähnlichen
Gebetsstunden
und nutzt mehr oder
weniger das Material, das
von der Deutschen Evangelischen
Allianz für diese Woche
herausgegeben wurde. So
habe ich zu meiner Zeit die
Kirche der Baptisten, die
Matthäuskirche und andere
kennen gelernt. So oder so
ähnlich läuft es auch bei uns
in Lüdenscheid, nur dass in
den letzten Jahren Veranstaltungen
für besondere
Zielgruppen dazu gekommen
sind. Und nach dieser Woche
ist man heilfroh, dass jetzt
wieder das vertraute Gemeindeleben
beginnt und man nicht jeden Abend woanders
hin muss.
Ich will mich meinem Thema
noch von einer anderen Seite
nähern: Wir hatten bei uns
eine Gemeindeberatung, in
deren Verlauf auch die wichtigsten
Aktivitäten bewertet
werden sollten. Da bot sich
als erprobte Methode der
ganzheitlichen Bewertung
das Punktekleben an, das den
meisten von uns sicher vertraut
ist. Und - was uns gar
nicht wundern kann - die
meisten Punkte erhielt das
Beten. Wer jetzt hoffte, dass
unsere wöchentliche Gebetsstunde
wegen Überfüllung
geschlossen werden müsste,
sah sich getäuscht. Es kamen
auch weiterhin nur die paar
bestens bekannten langjährigen
Teilnehmer.
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Wie ganz anders die ersten
Christen, die uns am Anfang
der Apostelgeschichte vorgestellt
werden.
Da heißt es „sie
blieben … beständig“, und
wir haben allen Grund anzunehmen,
dass sie sich täglich
trafen. Warum? Weil sie einen
Riesenbedarf hatten, Bedarf
an allem. Und so hielten
sie ihrem Herrn die geöffneten
Hände hin und baten ihn,
sie zu füllen. Und der Herr
gab ihnen das Lebensnotwendige.
Dafür dankten sie
ihm, lobten ihn, schütteten
ihm ihre Herzen aus - und
hatten so das ganze Jahr
über 52 wunderbare Gebetswochen.
Wen wundert’s, dass
die Gemeinde blühte?!
Ich bin mir ganz sicher: Was
wir brauchen, ist dieses Gebet,
das Paulus seinen Ephesern
empfiehlt: Betet allezeit
mit Bitten und Flehen (Eph.
6, 18). Wir bitten nicht, weil
wir nicht so bedürftig sind,
weil wir noch viel zu viel selber
können (oder zu können
meinen).
Unter den regelmäßigen Veranstaltungen
steht im Gemeindebrief
noch ein einziger
Gebetskreis, montags um
17.45 Uhr. Vor ein paar Jahren,
meine ich, wären es noch
mehr gewesen. Es wäre hässlich
von mir, jetzt zu fragen,
ob dieser übrig gebliebene
Gebetskreis wenigstens im
größten Wohnzimmer des
ganzen Münsterlandes stattfindet.
Aber es ist ja klar geworden,
worauf ich hinaus
will: Was wir brauchen, ist
das Beten ohne Unterlass.
Die Zeiten werden für uns
Christen ja nicht leichter.
Der Wind, der uns um die
Nase weht, ist oft schon ganz
gehörig scharf. Die gesellschaftlichen
Trends sind gegen
uns. Umso mehr brauchen
wir das Gebet. Also:
Fortsetzung muss folgen!
In alter Verbundenheit!
Karl Grünberg |