Freie evangelische Gemeinde Münster
[Angedacht]
Hier finden Sie als Auzug aus dem Gemeindebrief die Rubrik "Angedacht", das kann eine gekürzte Predigt oder Gedanken von verschiedenen Personen unserer Gemeinde sein.

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Angedacht.
.Februar 2010
Die Ehrfurcht vor Gott - Gemeindebrief Juni 2010
Die Ehrfurcht vor Gott gebietet uns, gewisse Dinge nicht zu tun, weil sie mit dem Willen Gottes unvereinbar sind. „Die Furcht des Herrn wehrt der Sünde.“ (Sir. 1, 26) „Wohl dem, der Gott allewege fürchtet!“ (Spr. 28, 14) Wenn etwas mehr Gottesfurcht in klerikalen Kreisen vorhanden wäre, dann hätten wir vielleicht auch keine Missbrauchsfälle zu beklagen. Die Ehrfurcht vor Gott bedeutet, keinen Verlust zu fürchten außer den Verlust Gottes selbst; seien es Dinge, sei es der Leib, sei es das Leben - ich will lieber sie verlieren als Gott. Ein Sprichwort sagt: „Was wir fürchten, das hassen wir auch.“ Mit dieser Furcht will Gott nicht gefürchtet noch geehrt werden. Eine Furcht, mit Liebe vermischt, ist die echte Ehre.

Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen. Das ist der Anfang der Erklärung von Dr. Martin Luther zu den zehn Geboten in unserem Katechismus.
Diese Erklärung ist aus dem Wort Gottes geboren, darum auch so zutreffend, dass es besser keiner auslegen könnte.
Wir sollen ihn fürchten, weil er der Herr ist, dein Gott, der Heilige, euer Gott. Wir sollen ihn lieben, weil Gott es ernst meint mit dem „dein Gott“. Wir sollen ihm vertrauen, weil die Worte „der Herr, dein Gott“ über alles wichtig und wahr sind. Das heißt auch: Weil ich allein Gott bin, sollst du auf mich allein deine ganze Zuversicht, Vertrauen und Glauben setzen und auf niemand anderen.

Das Wort Furcht findet sich in ganz unterschiedlichen Begriffen wieder: Furchtlos und Ehrfurcht. Furchtlos beschreibt der Psalmist Menschen als Narren, die gottlos sind. Sie sprechen in ihrem Herzen: „Es gibt keinen Gott.“ (Ps. 14, 1) Wenn ein Kind sich einbildet, es könnte mit seiner Hand den Mond greifen, so ist es klug gegenüber denjenigen, die in ihrem Herzen sprechen: „Es gibt keinen Gott.“ Menschen, die so etwas behaupten, die gab es schon zu allen Zeiten. Das lehrt uns die Geschichte. Sie sind aber mit ihrem Gedankengut gescheitert und finsteren Mächten verfallen. Das führte sogar teilweise zu totaler Verunsicherung und krankhafter Angst. Da ist es besser, sich an das Wort zu halten: „Herr Gott, du bist unsere Zuversicht für und für.“
Die Ehrfurcht vor Gott ist uns geboten durch das Wort: „Ein Sohn soll den Vater ehren, und ein Knecht seinen Herrn. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre? Bin ich Herr, wo fürchtet man mich?, spricht der Herr Zebaoth.“ (Mal. 1, 6) Ja, es muss etwas Großes sein um die Furcht Gottes. Gottes unsichtbares Wesen, das ist seine ewige Kraft und Gottheit, wird ersehen seit der Schöpfung der Welt und wahrgenommen an seinen Werken. Jesus sagt selbst: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten und danach nichts mehr tun können. Ich will euch aber zeigen, vor wem ihr euch fürchten sollt: Fürchtet euch vor dem, der, nachdem er getötet hat, auch Macht hat, zu werfen in die Hölle. Ja, ich sage euch, vor dem fürchtet euch.“ (Luk. 12, 4-5)

„Fürchte Gott und scheue niemand“ ist ein altes Sprichwort. Spuren der Furcht Gottes sind in jedem Menschen. Denn wo Feuer ist, da ist auch Wärme, und da sprühen Funken. Ein Kaufmann ist in der Furcht Gottes, wenn er ehrlich messen und wiegen wird. Handwerker, wenn sie - entsprechend den Regeln des Handwerks - eine ordnungsgemäße Arbeit herstellen. Eltern, wenn sie ihren Kindern den Weg zu Gott weisen und weitergeben, was sie von Gott und seinen Wohltaten wissen.

Ich hörte von einer Begebenheit aus der Nachkriegszeit: Ein Vater hat einen leeren Jutesack zusammengerollt, auf den Gepäckträger seines Fahrrades geklemmt, seinen Buben daraufgesetzt und ist aufs Land gefahren um Futter für die Tiere zu holen. „Ich werde dir zeigen, wie man Futter für die Tiere besorgt. Ein paar Rüben für die Kaninchen, ein paar Kartoffeln für die Familie“, klärte er seinen Sohn auf, wobei er aber mehr an die Seinen dachte als an die Kaninchen. Als sie aber am Feld standen, da hat der Vater sich umund umgeschaut, nach links und nach rechts, ob auch die Luft rein wäre, weil er bange war vor denen, denen das Feld gehörte. Das kam dem Buben wunderlich vor und er hat gerufen: „Vater, warum siehst du nicht nach oben? Du sagst doch immer, der liebe Gott sieht alles!“ Das ist dem Vater sehr zu Herzen gegangen, und er hat das Futterholen sein gelassen. Er hat wortlos den Jutesack wieder auf den Gepäckträger seines Fahrrades geklemmt, den Sohn daraufgesetzt, und ist nach Hause geradelt.
Sieghard Pietschner
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