Freie evangelische Gemeinde Münster
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Hier finden Sie als Auzug aus dem Gemeindebrief die Rubrik "Angedacht", das kann eine gekürzte Predigt oder Gedanken von verschiedenen Personen unserer Gemeinde sein.

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Angedacht.
.Novemeber 2010
Entschleunigung - Gemeindebrief November 2010
Ich weiß gar nicht, ob es bei euch in Münster den Ausdruck „Tu dir Ruhe an!“ gibt. Als ich ihn zum ersten Mal von einer Bekannten hörte, war ich belustigt und wunderte mich richtig - denn Ruhe bedeutet doch eigentlich, nichts zu tun. Wie kann man sich also „Nichts-zu-Tun“ antun? Das scheint doch paradox!

Je älter ich werde, umso pfiffiger und umso berechtigter finde ich diesen Ausdruck. Zeigt er doch, dass in unserer Zeit und unserem Lebensgefüge ganz bewusste Ruhe etwas sehr Seltenes geworden ist.

Der als Überschrift gewählte Begriff „Entschleunigung“ wurde erstmals 1979 von Jürgen vom Scheidt in einem seiner Bücher verbreitet. Und schon 1980 dichtete Peter Strauch: „Hast und Eile, Zeitnot und Betrieb nehmen mich gefangen, jagen mich …“ . Wir haben dieses Lied oft gesungen und singen es auch heute noch - eben, weil es unser derzeitiges Lebensgefühl so treffend einfängt.

Denn das gilt wohl weithin, und jede Ausnahme davon verdient ein Kompliment: Der Sonntag wird nicht zur Erholung genutzt, sondern zur Abwechslung. Deshalb ist in der Arbeitswelt der „Blaue Montag“ so problematisch. Und der Urlaub ist in der Regel vollgestopft mit so viel Neuem, so anstrengend, dass man sich danach erst einmal erholen muss. Beide, Sonntag wie Urlaub, sind jedoch ursprünglich dafür gedacht, anschließend mit frischen Kräften das zu tun, was getan werden muss.

Was aber noch wichtiger ist als die Verwendbarkeit in der Arbeitswelt: In unserer erlebnishungrigen und von Events überquellenden Zeit kommen schnell einige Dinge zu kurz, die für unser Leben genau so wichtig sind wie Abwechslung und neue Reize, nämlich die Vertiefung von Vorhandenem, die
Besinnung auf Wesentliches und Stille. Deswegen komme ich jetzt am Beginn der dunkleren Jahreszeit auf dieses Thema.

Am letzten Sonntag im Oktober stellen wir die Uhren wieder eine Stunde zurück. Damit endet die diesjährige, seit 1980 bei uns eingeführte Sommerzeit, die mehr Lebensqualität bringen sollte, zu gut Deutsch: Die hellen Abende wurden ausgedehnt, man ging später ins Bett, also: Man „lebte“ jeden Tag ein bisschen länger und war am nächsten Morgen ein bisschen müder als sonst.

Die jetzt anbrechenden dunkleren Abende sind wie geschaffen dafür, ein gutes Buch zu lesen, sich intensiv mit Gedanken zu beschäftigen, für die man einfach Zeit braucht, Stille zu erleben. Ihr habt richtig gelesen: Stille erleben - ein bisschen zum Wundern, weil nach zeitgenössischer Auffassung Stille und Erleben sich widersprechen.

Aber der Gott, der uns geschaffen hat, hat es uns vorgemacht und will, dass wir es ihm nachmachen: Dass wir uns Ruhe antun, um intensive Zeit mit ihm, unserem Schöpfer, zu erleben.

Deswegen gehört zum Angebot der Gemeinde - und es ist sicher das wichtigste Angebot - die wöchentliche „Entschleunigung“. Ihr merkt schon, ich will euch ermutigen, auf jeden Fall allwöchentlich ohne Ausnahme euren Gottesdienst zu besuchen. Nutzt den Sonntag richtig - und freut euch über die, die euch den Gottesdienst verschönern mit Moderation, Predigt, Musik, anschließendem Kaffee und was sonst noch dazu gehört. Nur muss darauf geachtet werden, dass es nicht nur ein Termin für Gott bleibt, sondern ein Termin mit Gott.

In alter Verbundenheit
Karl Grünberg
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