Freie evangelische Gemeinde Münster
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Hier finden Sie als Auzug aus dem Gemeindebrief die Rubrik "Angedacht", das kann eine gekürzte Predigt oder Gedanken von verschiedenen Personen unserer Gemeinde sein.

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Angedacht.
.Januar 2011
Fastenzeit? - Gemeindebrief Januar 2011
Es war die Zeit vor dem Valentinstag. Ich stand im Discounter- Kaufhaus, hielt eine dekorative Pralinenschachtel in der Hand, betrachtete sie und dachte: „Könntest ja auch mal deiner Frau eine Überraschung mitbringen.“ Da tippte mir doch einer auf die Schulter und sagte: „Herr Pietschner, Fastenzeit - sieben Wochen ohne!“

Vor Schreck legte ich die Schachtel ins Fach zurück. Eine Frau aus unserer entfernteren Nachbarschaft hatte mich angesprochen. Zum Glück fiel mir ein wunderbarer Vers ein, und ich erwiderte: „Was zum Munde eingeht, das macht den Menschen nicht unrein; sondern was zum Munde ausgeht, das macht den Menschen unrein.“ (Matth. 15, 11)
„Was hat das mit Fasten zu tun?“, fragte sie.
„Das sagt Jesus Christus über das Fasten, und das können Sie nachlesen im Matthäus-Evangelium“, erwiderte ich. Kopfschüttelnd ging sie weiter.

Diese kleine Begebenheit machte mich stutzig. Viele Menschen halten die Fastenzeit. Über den Sinn der Fastenzeit gehen die Meinungen aber wohl auseinander.

Das Kirchenjahr bietet vor den Hauptfesten - Weihnachten und Ostern - jeweils eine Vorbereitungszeit, die der Einkehr und der Besinnung dienen soll. Das ist die Fastenzeit. Das Fasten soll natürlich freiwillig sein. Fastengebote gibt es für evangelische Christen nicht. Wie können Christen fasten, wenn Gott bei ihnen ist? (Matth. 9, 14 - 17) (Gleichnis vom jungen Wein in alten Schläuchen; altes Kleid flicken mit neuem Tuch.)

Jesus hebt das Fasten nicht auf, aber er hebt es aus dem Gesetzeszwang des alten Bundes heraus. Fasten ist eine äußere Handlung, die nur dann ausgeführt werden soll, wenn eine innere Nötigung dazu besteht. Außerdem warnt Jesus davor, das Fasten als ein Mittel zu gebrauchen, um den Menschen seine Frömmigkeit zu beweisen. (Matth. 6, 16 - 18)
Er ist es auch, der uns sagt: „Was zum Munde herausgeht, das kommt aus dem Herzen, und das macht den Menschen unrein. Denn aus dem Herzen kommen arge Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Dieberei, falsch Zeugnis, Lästerung. Das sind die Stücke, den Menschen unrein machen.“ (Matth. 15, 18 - 20)

Fasten heißt, das Leben zu überdenken. Das bedeutet eine freiwillige, zeitweilige Enthaltsamkeit von verschiedenen Lebensnotwendigkeiten wie Speise, Trank, Schlaf, Umgang mit Menschen usw. Ein Verzichten auf liebgewordene Gewohnheiten. Der Sinn dieser Enthaltsamkeit besteht darin, die Bande zu lösen, die uns an die materielle Welt und an unsere Umgebung fesseln, um auf diese Weise die ganze Kraft der Seele auf das Unsichtbare und Ewige zu konzentrieren.

Das christliche Fasten beruht also nicht darauf, dass wir die gesamten Lebensnotwendigkeiten als unrein oder unheilig ansehen. Nein, kein Ding ist sich selbst unrein; auch die Speise ist von Gott geschaffen, damit wir sie mit Danksagung genießen. (1. Tim. 4, 3) Das Fasten beruht vielmehr darauf, dass unsere Seele von Zeit zur Zeit ihre ganze Kraft auf das eine, was Not ist, konzentrieren möchte und sich darum vorübergehend der Dinge enthält, die an sich erlaubt und uns nützlich sind.

Sieghard Pietschner
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