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| Angedacht. |
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| Weihnachtsstress |
Warum hören wir heute so
viel Negatives über Weihnachten?
Was war früher
anders?
Über diesen Gedanken fiel
mir meine Mutter ein. Mutter
hatte fünf lebhafte Kinder
und wenig Geld. Vater war
vor Weihnachten selber ein
großes Kind. Jeden Abend
bastelte und werkelte er in
der Küche herum. Wir Kinder
mussten darum früh ins Bett.
Einmal in der Adventszeit
fuhren die Eltern in die Stadt
und kamen mit vielen Paketen
zurück. An diesem Tag
wuchs unsere Spannung bis
ins Unerträgliche.
Aber ich wollte von Mutter
erzählen. Sie musste waschen
in der kalten Waschküche auf
dem Hof. Da gab es Holzpantinen,
viel kaltes Wasser, der
Kessel musste geheizt werden,
und hinterher durfte
Mutter auf den Speicher steigen.
Da wurde dann die nasse
Wäsche aufgehängt. |
Heute ist alles leichter: Aufs
Knöpfchen drücken wir, und
die Wäsche wird sauber.
Nicht einmal die warme
Wohnung müssen wir verlassen.
Aber wir haben Stress.
—
Mutter hatte keinen Stress.
Das Wort gab es damals noch
nicht. Mutter hatte Arbeit –
wir haben Stress.
Mutter war müde und schlief
abends manchmal über unseren
zerrissenen Strümpfen
ein. Wir haben abends Fernsehen
– Mutter kaputte Socken.
Weil es nun kein Fernsehen
gab, erzählte sie uns
Kindern schöne Geschichten,
und wie es früher bei ihr zu
Hause war.
Heute dekorieren wir unsere
schönen warmen Wohnungen,
in diesem Jahr in rot und im
nächsten Jahr vielleicht in blau, oder weiß. |
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Früher
steckten wir Tannenzweige
hinter alle Bilder, die dann
fürchterlich nadelten. Mutter
fegte alles weg, hatte Geduld
mit uns, aber keinen Stress.
Ja, der Weihnachtsbaum! An
ihm hingen immer die gleichen
Kugeln und das Lametta
vom Vorjahr. Und nicht zu
vergessen die Püppchen vom
Winterhilfswerk. Da kamen
jedes Jahr neue dazu. Ein
Wachstuch für den Küchentisch
gab es auch in jedem
Jahr neu. Im Dezember wurden
Plätzchen gebacken, so
drei bis vier Rezepte, immer
dieselben. Wie war es doch so
heiß in der Küche. Es gab ja
die Knöpfchen noch nicht,
nur Holz und Kohlen. Fünf
Kinder durften helfen, zehn
kleine Hände, Mutter kannte
ja keinen Stress.
Beinahe hätte ich Oma und
Opa vergessen, wir wohnten
Tür an Tür. Die beiden mussten
auch ein Geschenk haben,
Wir brauchten nicht lange zu
überlegen. Oma bekam – wie
immer – eine neue Schürze
(Mutter war ein Schürzen-
Fan), Opa bekam eine Flasche
Wein (Vater war ein –
das weiß ich nicht so genau).
Wenn dann endlich, endlich
der 24. Dezember war, wurde
der Badeofen geheizt |
(auch dann, wenn Heiligabend
nicht auf einen Samstag fiel).
Wir mussten ja alle sauber
sein zum großen Fest. Es gab
kein langes Überlegen: „Was
ziehe ich an?“ Jeder besaß
nur ein Sonntagskleid.
Sauber gewaschen und gekämmt
standen wir dann vor
der Weihnachtstür. Mutter
spielte auf dem uralten verstimmten
Klavier „Ihr Kinderlein
kommet“. Jetzt durften
wir die Türe öffnen. Diesen
Augenblick werde ich in
meinem ganzen Leben nicht
vergessen. Wir sahen den
schönsten Weihnachtsbaum
(manchmal etwas krumm,
aber immer mit Winterhilfswerk-
Abzeichen dran). Ich
wusste: So schön wird es
einmal im Himmel sein.
Danke, Vater und Mutter!
Warum danken wir nicht für
den Fortschritt, der uns unsere
Arbeit so erleichtert?
Arbeiten müssen wir, aber
ich glaube, dass wir uns den
Stress selber machen. Arbeit
macht uns müde und lässt
uns gut schlafen. Stress
macht uns nervös und unruhig.
Ich wünsche uns allen eine
stressfreie, gesegnete Weihnachtszeit.
Gertrud Mischke |
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