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Anno Domini 2007 - Gemeindebrief Feb. 2007
Geht uns das glatt runter, oder stutzen wir doch ein bisschen bei der alten Bezeichnung „anno domini“, die unsere Vor-Vor-Väter pflegten? Deswegen pflegten, weil sie damit deutlich machten, wer der Herr nicht nur der Zeit, sondern der Zeiten, aller Zeiten ist. Gedanken darüber sind für uns eine gute Gelegenheit, uns wieder einmal das Wesentliche unserer innersten Überzeugung, den Urgrund unseres Glaubens und Lebens zu verdeutlichen. Anno domini - im Jahr des Herrn - damit ist unser Herr gemeint. Jesus Christus, Gottes Sohn, von Ewigkeit zu Ewigkeit - und dazwischen ganz selbstverständlich auch!
Ich erinnere mich an ein Bild, das ich während meines Studiums gesehen habe. Es muss den Titel Paradies oder Schöpfung gehabt haben. Ich weiß den Namen des Künstlers nicht, weiß nicht einmal mehr genau, ob es eine Zeichnung oder ein Gemälde war. Das aber ist mir in deutlicher Erinnerung geblieben: Im Vordergrund geschaffene Tiere und Pflanzen, über allem oben in der Mitte das Auge im gleichseitigen
Dreieck mit den nach unten ausgehenden Strahlen als Symbol für Gott, den Schöpfer Himmels und der Erden. Ein bisschen unterhalb von ihm eine flatternde weiße Taube, die den heiligen Geist darstellen sollte. Und auf gleicher Höhe die Gestalt eines nicht mehr ganz jungen Mannes mit langem, weißem Gewand und schulterlangen Haaren, unschwer als Jesus zu erkennen, so wie die Maler den Nazarener im ausgehenden 19. Jahrhundert gemalt haben.
Jesus Christus - Zeuge der Erschaffung der Welt? Die Formulierung aus 1. Mose 1, 26 „Lasset uns Menschen machen ...“ war mir vertraut. Aber Jesus so unmittelbar an der Schöpfung beteiligt? Der Künstler wollte wohl Johannes Kapitel 1 oder Hebräer Kapitel 1 anschaulich machen. Jesus Christus von allem Anfang an mit dabei und als das Wort Gottes zugleich der wesentliche Mittler oder wir können sogar sagen das einzige Medium zwischen dem Schöpfer und seiner Schöpfung.
Wir machen einen großen Sprung zum Weihnachtsgeschehen.

Aber einen kleinen Moment noch: Wie war das wohl direkt vorher, bevor Maria heimgesucht wurde und Jesus gerade noch in der Ewigkeit, noch nicht unter dem Herzen Marias heranwuchs: Hat Jesus sich da gefreut? Hat er sich als Gott von Ewigkeit gerne ganz klein gemacht? Wir wissen es nicht - aber eins wissen wir: Als er dann als Kind geboren wurde, als Gott sich ganz herabgelassen hatte, da mussten sogar die Engel laut jubeln, weil sie begriffen, dass mit dem Weihnachtsereignis die neue Schöpfung begonnen hatte.
Und dann lebte Jesus, sprich: Gott, unter seinen Geschöpfen als der Abglanz, das Ebenbild seines Vaters. In ihm war Gott uns ganz nahe gekommen und war mit uns (Immanuel). Und wäre die Fotografie 2000 Jahre eher erfunden worden, vielleicht hätten wir dann ein Foto von ihm, sprich: von Gott! Nur, dass er eben auf göttliche Art lebte und auf genauso göttliche Art schließlich starb - verkannt, falsch verdächtigt, gemobbt, verraten, verhöhnt, gefoltert, vorgeführt und dann auf grausamste Art durch einen ganz offensichtlichen Justizmord vorübergehend
beseitigt - in Summe: Er hat unvorstellbar gelitten! Als er wieder auferstand, kam er nicht als Rächer oder zumindest als einer, der falschen Verdacht und Mobbing und Verrat und Hohn ins rechte Lot bringen will, sondern als Erlöser, und sein Herz ist ein „glühender Backofen voll Liebe“ (Luther) für jeden Menschen.
Wer ihn aus der Nähe erlebt hatte, wer ihn wirklich erkannt hatte, der war dadurch so reich, dass aller andere Besitz nichtig wurde. Dessen Leben bekam einen völlig neuen Drall, und die neue Lebensaufgabe bestand darin, auch anderen diesen Jesus bekannt zu machen. So bekamen und bekommen wir bis heute Jesus vor Augen gestellt. Und das Wunderbare dabei:
Stehen wir vor Jesus, dann stehen wir an der Schwelle zu Gott. Hören wir auf Jesus, dann hören wir auf Gott. Reden wir mit Jesus, dann reden wir mit Gott. Reicher kann unser Leben nicht werden.
Es ist gut, sich so etwas am Anfang eines Jahres (wieder einmal) deutlich zu machen. In alter Verbundenheit
Karl Grünberg
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