|
|
| Angedacht. |
.Dez. 2007 |
| Die Allwissenheit Gottes - Gemeindebrief April 2008 |
Höflich, zuvorkommend,
gradlinig und zielstrebig. Geachtet
als hoch angesehener
Manager, wirtschaftlicher
Berater im politischen Berlin.
Schon lange tätig im Aufbau
und der wirtschaftlichen Verwaltung
eines Dienstleistungskonzerns,
Aufsichtsratsvorsitzender
in anderen
gemeinnützigen Unternehmen.
Und dann bloß gestellt.
Vorwurf der Steuerhinterziehung
in Millionenhöhe. Die
gesamte Wirtschaftselite gerät
schwer in Verruf. Der
Mann wird angeklagt und ist
nicht mehr tragbar. Unehrenhafter
Rücktritt aus allen
Ämtern. Ein tiefer Fall. Kurz
zusammengefasst, der Lebenslauf
eines ungetreuen
Haushalters (im heutigen
Sprachgebrauch: Manager).
Als ich das las, lief es mir
kalt über den Rücken. Ein
Beispiel von schamloser
Selbstbedienungsmentalität,
das den Verfall von Sitten
und Werten in unserem
Lande mitzuverantworten
hat. Gleichzeitig aber mahnte
mich eine Stimme. Sind wir
kleinen Arbeitnehmer etwa besser? |
In kleinen Dingen
handeln wir doch oft genau
so. Wir sollten uns hüten, mit
dem Finger auf andere zu
zeigen. Wir Menschen wissen
nicht, was morgen oder übers
Jahr sein und kommen wird.
Gott weiß es. Er sieht alle
Dinge im Voraus, ob sie klein
oder groß sind, denn Gott ist
allwissend. Das ist eine der
Wesenseigenschaften Gottes.
Keine Kreatur ist vor ihm
verborgen, sondern es ist alles
bloß und aufgedeckt vor
Gottes Augen, dem wir Rechenschaft
geben müssen
(Hebr. 4, 13).
Wir Menschen können einem
anderen nur ins Gesicht, aber
nicht ins Herz sehen. Was der
andere denkt und fühlt, können
wir höchstens erahnen.
Gottes Wissen ist aber
durchdringend und ergründend.
Er weiß alle Dinge und
sieht sie in ihrer ureigensten
Beschaffenheit. Den Menschen
sieht er als Menschen -
mich und dich, wie wir in
Wahrheit sind. „Solche Erkenntnis
ist mir zu wunderlich
und zu hoch, ich kann sie
nicht begreifen“, spricht der König David (Ps. 139, 6). |
|
Er
zeigt uns aber in dem eben
erwähnten Anfang des 139.
Psalms auch den rechten
Umgang mit dieser Allwissenheit
Gottes. „Du kennst
mich, meine Gedanken und
meine Wege, es ist kein Wort
auf meiner Zunge, das du
Herr nicht alles wüsstest.“
Nicht umsonst sagt auch der
Volksmund: „Jede böse Tat,
und ist sie noch so fein gesponnen,
es kommt doch alles
an die Sonnen.“ Wir müssen
alle offenbar werden vor dem
Richterstuhl Christi, auf dass
ein jeglicher empfange, wie er
gehandelt hat bei Leibesleben,
es sei gut oder böse (2.
Kor. 5, 10).
Die Allwissenheit Gottes ist
ein Mittel in seinen Händen,
um uns zur Ehrfurcht vor
ihm und zu rechtschaffener
Umkehr von aller Sünde zu
treiben. Wehe denen, die mit
ihrem Plan verborgen sein
wollen vor dem Herrn und
mit ihrem Tun im Finstern
bleiben und sprechen: „Wer
sieht uns, und wer kennt
uns?“ (Jes. 29, 15)
Ich hörte einmal von der folgenden
Begebenheit:
|
Ein Handelsvertreter gab einem
ihm befreundeten Handwerksmeister
aus einem Geschäftsabschluss
eine große
Summe Geld zur Aufbewahrung.
Er kam auf der Rückreise
bei einem Verkehrsunfall
ums Leben. Die Hinterbliebenen
erhielten bald
Nachricht von dem Unglück.
Aber auch der Handwerksmeister
säumte nicht, das bei
ihm in Verwahrung gegebene
Geld den Hinterbliebenen zu
übergeben. Als einer der
Verwandten des Handelsvertreters
zu ihm sagte: „Ihr seid
doch ein einfältiger Mensch,
dass ihr das Geld nicht behalten
habt. Es wusste doch keiner
davon?“, da sagte der
Handwerksmeister schnell:
„Ja, es wussten wohl zwei
davon, der allwissende Gott
und mein Gewissen.“
Gottesfürchtige Menschen
trösten sich mit Maleachi 3,
16: „Der Herr merkt es und
hört es, und es wird vor ihm
ein Gedenkbuch geschrieben
für die, welche den Herrn
fürchten und an seinen Namen
gedenken.“
Sieghard Pietschner |
|
|